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ruscheweyh

Dieses Öl-Porträt eines unbekannten Künstlers zeigt den Neustrelitzer Ferdinand Ruscheweyh. Es befindet sich ebenfalls in Schwerin. Foto: Staatliches Museum/Gabriele Bröcker

Das Staatliche Museum Schwerin wird vom 2. Februar bis zum 7. Mai in der Galerie Alte & Neue Meister die Kabinettausstellung „Ein Mecklenburger in Rom – Ferdinand Ruscheweyh – eine Wiederentdeckung“ zeigen. Das hat in Neustrelitz zu bissigen Kommentaren geführt.

Ruscheweyh (1785 bis 1846), in Neustrelitz geboren, war einer der bedeutendsten Reproduktionsstecher seiner Zeit. Er reiste 1808 in die italienische Metropole, wo er 24 Jahre lebte. 1833 kehrte er nach Neustrelitz zurück. Das Museum hat im vergangenen Jahr den Nachlass des Künstlers erworben und präsentiert ihn nun mit im Schweriner Kabinett vorhandenen Druckgrafiken Ruscheweyhs der Öffentlichkeit.

In einem Strelitzius zugeleiteten Brief von Dr. Rajko Lippert, Vorsitzender des Vereins Kulturgut Mecklenburg-Strelitz, an sein Vorstandsmitglied Dr. Thomas Freund, Staatssekretär a.D., kritisiert der Absender, es werde erneut Kulturgut mit Neustrelitzer und Mecklenburg-Strelitzer Bezug nach Schwerin gezogen. „Neustrelitz ist abgehängt, und natürlich ist das Land finanziell in der Lage, etwas aufzukaufen, aber Schwerin schmückt sich wieder mal mit fremden Federn. Staatliche Institutionen kaufen mit Landesmitteln Dinge auf, um sie dann in der Hauptstadt zu zeigen, anstelle da, wo sie regional hingehören.“

Auch die im Zuge der Umnutzung des Schlosses Neustrelitz während der Naziherrschaft in Schwerin eingelagerten Kunstschätze und archäölogischen Sammlungen blieben deportiert „nach dem Willen von Herrn Brodkorb, der schon mit der Fragestellung an die Gutachter den Ort des Archäologischen Landesmuseums vorgegeben hat“ (Strelitzius berichtete).

Aus für Louisengedenkstätte Hohenzieritz befürchtet 

Was nicht deportiert werden könne, wie die Louisen-Gedenkstätte im Schloss Hohenzieritz, werde „entmystifiziert“. Damit würden die Besucherzahlen eingedampft, fährt Lippert fort. So seien im vergangenen Jahr nach Übernahme durch das Land nur noch 50 Prozent der Besucher von 2015 gekommen. Man könne dann irgendwann die Gedenkstätte mit guter Begründung von Schwerin aus schließen und die Kulturgüter andernorts „gesichert“ unterbringen.

In diesem Zusammenhang teilt Rajko Lippert mit, dass das Kulturquartier in Neustrelitz Anfang Februar die Leihgaben des Herzoghauses an die Gedenkstätte übernehmen wird. Sie würden für das neue Konzept des Landes in Hohenzieritz nicht mehr benötigt.

Zitat aus dem Jahr 1945 noch immer aktuell

Der Vorsitzende von Kulturgut Mecklenburg-Strelitz zitiert aus dem Wiesbadener Manifest der US-Army vom 7. November 1945: „Wir möchten darauf hinweisen, dass unseres Wissens keine historische Kränkung so langlebig ist und soviel gerechtfertigte Verbitterung hervorruft, wie die aus welchen Gründen auch immer erfolgte Wegnahme eines Teils des kulturellen Erbes…“

Die Schweriner Ausstellung zu Ruscheweyh gehöre mindestens auch ins Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz, so Lippert abschließend. „Aber da alle Macht in Schwerin ist, sitzt Mecklenburg-Strelitz wie immer am Katzentisch der Kultur.“

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