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rolloIch muss mal Systemkritik üben. Kritik an einem Klick-System, das nicht mehr klack macht und droht, statt dessen mit einem Knack endgültig den Geist aufzugeben. Ich schreibe das auch nieder, um mir ein bisschen Erleichterung zu verschaffen, weil der Systemfehler als ein scheinbar unabwendbares Dilemma doch einen erheblichen Eingriff in mein Seelenleben darstellt.

Außerdem will ich erst gar keine Gerüchte aufkommen lassen. Nein, ich verbringe nicht den ganzen Tag im Bett, sondern das Verdunklungsrollo in unserem Schlafzimmer hat beim Schließen ein letztes Mal geklickt und verweigert nun das üblicherweise von einem Klacken begleitete Öffnen. Was mich bis ins Mark erschüttert hat, waren Worte aus dem Munde meines Freundes Thomas, die ich nie für möglich gehalten hätte. Thomas verdient sein Brot als Hausmeister und kann eigentlich alles. „Ich kann dir nicht helfen“, hieß es am Ende zweier Besuche, einmal am Abend und dann noch mal bei Tageslicht, von meiner Allzweckwaffe.

Auch das Internet versagt mir die Rettung. Wie baue ich ein oben und unten eingeklicktes Rollo des weltweit größten Dachfensterherstellers mit den fünf Buchstaben wieder aus. Schließlich kommt man bei geschlossenem Rollo ja an nicht eine Schraube. Einen Leidensgenossen habe ich aufgespürt, aber der war schon mit der Demontage im geöffneten Zustand überfordert. Zwei Antworten hat er eingefahren, Zitat: „Indem man es zu sich ranzieht. Das kann etwas Kraft erfordern, aber irgendwann schnappt es aus der Halterung.“ Nun, Kraft ist genug vorhanden, allerdings scheint es eher wahrscheinlich, dass es nicht zum befreienden Klack, sondern zum Zerstörung verheißenden Knack kommt. Unter Umständen ist das Fenster gleich mit hin.

Zweites Angebot, klingt etwas subtiler: „Um das Rollo auszubauen, musst du oben links in der Ecke, in der die Rollo-Welle sitzt, mit einem dünnen Metallblatt den Clip zurückdrücken. Das ist ein bisschen fummelig. Metallblatt darf nicht breiter als 15 Millimeter sein, an der Hebelstelle leicht abgekantet.“ Das Metallblatt würde ich in meinem gut sortierten Haushalt sogar noch finden. Was ich nicht finde, ist ein Spalt, um es einzuführen.

Der tut sich vielleicht im Sommer auf, wenn sich meine Holzfenster wieder ausdehnen. Falls es ihn im geschlossenen Zustand überhaupt gibt, den Spalt. Und falls man ein geschlossenes Rollo überhaupt ausbauen kann. Wir haben das Problem erst einmal bis in die warme Jahreszeit vertagt. Toll wäre natürlich, einer mit Expertenwissen würde schon vorher diese Zeilen lesen und mir beispringen.

Solche Leute gibt es natürlich bei der Firma mit den fünf Buchstaben. Man braucht nur eine Mail mit der Problembeschreibung hinzuschicken. Allerdings ist vor mögliche Hilfe schon mal eine Anfahrtpauschale von 85 Euro gesetzt. Wofür ich schon fast ein neues Rollo bekomme. Was ich dann wieder ganz bequem einklicken kann. Vorausgesetzt, beim alten hat es bis dahin klack gemacht. Oder knack. Aber da waren wir wohl schon. Einstweilen tröste ich mich in meiner Hilflosigkeit mit Neil Young und „Helpless“.

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