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Die Globalisierung treibt so ihre Blüten. Oder in dem Fall Gemüse. Nun bin ich ja der Letzte, der dem Ausland ablehnend gegenübersteht. „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“, trifft auf mich mit Sicherheit nicht zu, auch wenn ich seit fast einem Vierteljahrhundert auf dem flachen Land lebe.

Aber so ein bisschen möchte ich schon an die Hand genommen werden. Will sagen, man kann mir nicht einfach Pak Choi an den Konsumentenkopf knallen. Das packe ich dann bei aller Aufgeschlossenheit nicht in den Einkaufswagen. Schon gar nicht, wenn aus dem Studium des Etiketts nur hervorgeht, dass die Italiener es in den Handel gebracht haben. Wir haben gar keinen Italiener in Wesenberg, den man konsultieren könnte. Und mit Chinesen oder Koreanern ist es ähnlich schlecht bestellt, falls es denn die Asiaten waren, die das ominöse Gemüse auf die Apenninenhalbinsel verpflanzt haben. Zumindest lässt es der Name vermuten, so viel Bildung ist ja bei mir vorhanden.

Nun könnte ich ja anfangen, mitten in der Kaufhalle Google zu befragen, aber das passt nicht zu meiner eigentlich stillen und bescheidenen Art. Das Handy beim Einkauf in der Kralle oder am Ohr hat immer so etwas Wichtigtuerisches. Und so drehe ich mich drei Mal um die eigene Achse, damit mich auch ja keiner beobachtet, und schieße schnell und verstohlen ein Erinnerungsfoto.

Damit trickse ich mein schwächelndes Kurzzeitgedächtnis aus und trage Pak Choi in meine heimische Schreibstube. Rechner an, Suchmaschine auf und Tusch! Bei dem geheimnisvollen Gewächs handelt es sich um chinesischen Senfkohl, auch chinesischen Blätterkohl genannt, einen nahen Verwandten des Chinakohls.

Wenn ich das vorher gewusst hätte, käme heute nicht Blumenkohl auf den Tisch. Beim nächsten Mal bin ich schlauer. Wenn  es dann noch Pak Choi gibt und die Handelstrategen den exotischen Kohl nicht aus dem ländlichen Verkehr gezogen haben, weil ihn hier aus für sie schier unerfindlichen Gründen keiner kauft.

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