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Von wegen…

Meine knapp 50 Kilogramm leichte Holde will ihr Gewicht jetzt durch gezielte Fressorgien verdoppeln bis verdreifachen. Außerdem fängt sie an zu rauchen, baut systematisch Alkohol in ihren Alltag ein und will auch zu jeder anderen Droge greifen, die hier auf dem flachen Land zu haben ist. Hauptsache süchtig werden, so die mich doch ein bisschen überraschende Auskunft.

Hat meine bessere Hälfte die sich gesteckten ehrgeizigen Ziele erreicht, wird sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, um wieder zu ihrem Urzustand zurückzukehren. Das lässt sie sich bescheinigen und trägt dieses Attest zur Techniker Krankenkasse nach Neubrandenburg. Dort wird sie dann im Rahmen des aktuellen Bonusprogramms mit satten 250 Euro Gutschrift oder Auszahlung belohnt. Klingt unglaublich, der Plan, aber so sollte es laufen.

Die Holde hat nämlich heute Morgen unter Nachweis aller ihrer sieben Präventivmaßnahmen zum Gesundbleiben fernmündlich bei der Kasse vorgesprochen und musste erleben, dass sie trotz außergewöhnlich vieler Initiativen nur für die unterste Bonusstufe von 30 Euro in Frage kommt. Hingegen bekämen 250 Euro nur die zuerkannt, die – richtig geraten – sich zwei Kursen zur Gewichtsreduzierung und zur Abkehr von Alkohol und anderen Drogen unterziehen. Was für ein abstinentes Wesen von knapp einem Zentner Lebendgewicht wohl eine gewisse Ausnahmesituation heraufbeschwören dürfte. Also, siehe oben.

Sportstudio fällt nicht unter Bewegung

Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass es auch ein Bewegungs- und ein Entspannungskurs sein durften. Unsere Mitgliedschaft in einem Sportstudio mit zwei Trainingseinheiten pro Woche fiel allerdings nicht unter Bewegung, die fiel unter den Abschnitt Sport und Gesundheit. Nur mit dem Entspannungskurs war zumindest auf die astronomische Summe von 60 Euro zu kommen. Den noch einzuschieben, dürfte einer vollzeitbeschäftigten Berufspendlerin den nötigen Stress bescheren, welchen sie anschließend abbauen lernt.

Ironie beiseite, das ernste Fazit: Nicht nur, dass Süchtige mit ihren Folgeerkrankungen die Kassen und damit uns alle mit Unsummen belasten, werden sie auch noch honoriert. Dabei sollte der Bonus eigentlich denen zufließen, die vorbeugen, gesund leben und damit automatisch nur sehr geringe Kosten verursachen.

Mein Eheweib ist eine sehr beherrschte Person und weiß einzuordnen, dass die Techniker-Dame auch nur nach ihren höchstmerkwürdigen Vorschriften handeln kann. Die übrigens im kommenden Jahr deutlich verändert werden sollen. Und ich schreibe jetzt mal ebenso höflich nicht auf, wohin sich die Kasse ihre 30 Euro stecken kann.

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