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Mitarbeiter der Nationalpark-Werkstatt und des zuständigen Reviers Schwarzenhof verschließen die Einfluglöcher ins Innere des Technikgebäudes. Foto: Volker Spicher, NPA Müritz

Im Müritz-Nationalpark wurde ein großes Quartier der kleinsten europäischen Fledermausart, der Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) nachgewiesen. Ranger fanden hinter der Außenverkleidung eines Technikhauses auf dem Käflingsberg Hinweise auf ein Quartier. Bei einer abendlichen Zählung wurden knapp 300 Fledermäuse erfasst.

Der 55 Meter hohe Käflingsbergturm bietet Besuchern nicht nur einen spektakulären Überblick über den Müritz-Nationalpark, sondern ist gleichzeitig Feuerwach- und Mobilfunksendeturm. Betreiber ist die Deutsche Funkturm GmbH. Das nebenstehende Versorgungsgebäude beherbergt neuerdings nicht mehr nur Technik, sondern auch die tierischen Bewohner.

Größer als eine Mücke, aber kleiner als eine Streichholzschachtel: die Mückenfledermaus. Foto: Evgeniy Yakhontov, CC BY-SA 3.0

„Im Winter fanden wir im Haus einige tote Fledermäuse. Diese hatten sich anscheinend hinein verirrt und nicht mehr heraus gefunden“, erklärt Volker Spicher vom Nationalparkamt Müritz. Mit der wärmeren Jahreszeit wollte man nun der Sache auf den Grund gehen und entdeckte die Schlafstätte der Mückenfledermäuse unter der Außenverschalung des Gebäudes. „Das ist typisch für diese Fledermausart. Das Sommerquartier beziehen sie gerne in spaltenförmigen Verstecken – etwa hinter Gebäudeverkleidungen. Im Winter sind sie auf Höhlen in alten Bäumen angewiesen. Diese finden sie im Umfeld des Käflingsberges“, erläutert der an der Maßnahme beteiligte Experte Axel Griesau. Alle Zugänge zum Inneren seien von den Mitarbeitern der Nationalpark-Werkstatt verschlossen worden, sodass die Fledermäuse nicht mehr in eine ausweglose Falle geraten.

Jäger passt in eine Streichholzschachtel

Die Mückenfledermaus wurde erstmals 1995 im Müritz-Nationalpark nachgewiesen. Die Art ist überhaupt erst seit den 1980 Jahren bekannt. Nachdem genetische Untersuchungen Unterschiede zur verwandten Zwergfledermaus zeigten, erkannte man beide Arten als eigenständig an. Den Namen trägt die Mückenfledermaus auf Grund ihrer Größe. Mit maximal sieben Gramm Körpergewicht, etwa so viel wie zwei Stück Würfelzucker, ist sie ein Fliegengewicht unter den Fledermäusen. Der kleine Jäger würde in eine Streichholzschachtel passen. Doch auch ihre besondere Vorliebe für Mücken, Gnitzen und Eintagsfliegen hätte namensgebend sein können.

Im gesamten Müritz-Nationalpark haben 15 verschiedene Fledermausarten eine Heimat gefunden. Hier finden sie Quartiere in Höhlen alter Bäume und strukturreiche Landschaften mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot. In Deutschland gibt es 27 Arten, in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 17.

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