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Das mit dem traditionellen Kartoffelsalat samt Würstchen unter dem deutschen Weihnachtsbaum habe ich nie begriffen. Da kann sich der Salatkünstler noch so virtuos abrackern, das Tüftengemenge und erst recht die längliche Fleischbeilage haben nun wirklich nicht das Zeug zu Klassikern. Selbst der berühmtberüchtigte Stinkefisch Surströmming aus Schweden käme da eher in Betracht. Nur, dass wir keine Skandinavier sind. Und auch keine Chinesen, um mal an deren tausendjährige Eier zu denken. Kartoffelsalat mit Würstchen sind irgendwie beliebig. Einem Sturm der Entrüstung sehe ich gelassen entgegen.

Gleichwohl ist es nachzuvollziehen, sich vor dem großen Schmausen noch einmal in Bescheidenheit zu üben. Und weil bei mir im Hauswirtschaftsraum eine vormals glückliche, sage und schreibe Vier-Kilo-Ente dem Heiligen Abend entgegensieht, habe ich mir heute kulinarische Demut auferlegt. Wer bescheiden ausgerichtet ist, kann sogar am 23. Dezember in Wesenbergs Kaufhallen noch Zutaten bekommen. Zum Beispiel die letzten beiden Bunde Frühlingszwiebeln, die schon ein bisschen nach Herbst aussahen, und in Öl eingelegte getrocknete Tomaten. Der Rest fand sich in den stets von der Holden wohlgefüllten häuslichen Scheuern.

Eine Packung Spaghettini al dente kochen. Sechs Frühlingszwiebeln in Röllchen schneiden, das Grüne zum Dekorieren aufheben. Vier Knobizehen fein hacken. Die Tomaten abgießen und auf Küchenpapier abtrocknen lassen.

Jetzt in einem größeren Topf in drei bis vier Esslöffeln Öl Zwiebel, Knobi und Tomaten ein paar Minuten dünsten. Ein paar Schinkenwürfel können nicht schaden, müssen aber nicht sein. Wir erinnern uns, bescheiden… Dann die Nudeln dazugeben und alles ordentlich mischen. Auf dem Teller mit dem Zwiebelgrün anrichten und mit gehobelten Pecorino oder Parmesan überstreuen. Weihnachten mit all seinen Herrlichkeiten kann kommen.

Ente verblüfft selbst Ackerbürgerin 

Was die Vier-Kilo-Ente angeht, die Fragen aufwerfen könnte: Die hat mit ihrem Gewicht selbst Wesenbergs letzte Ackerbürgerin Monika Lindstädt verblüfft. Jedenfalls hat das Federvieh auf der Wiese oberhalb der Gärtnerei Hagedorn ein erfülltes Leben gehabt. Bevor es nach achtstündigem Niedrig-Temperatur-Garen mit Grünkohl und Thüringer Klößen morgen Weihnachten in meinem Haus klassisch einleitet.

Einige Quellen sagen, dass spartanisches Essen an Heiligabend eine Solidaritätsbekundung mit Maria und Josef sei, die ja zu Bethlehem auch nicht viel zu essen hatten. Dem Paar dürfte es aber einen Tag später ernährungsmäßig nicht besser gegangen sein. Und Kartoffelsalat mit Würstchen sind in der biblischen Geschichte meines Wissens ohnehin nicht zu finden.

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